Systemspeicher voll

Ständig bekomme ich folgende Meldung von meinem Smartphone: „Systemspeicher voll“.
Was ist passiert? Zu viele Bilder und Videos wurden gemacht, gespeichert, versendet, (dadurch erneut gespeichert), empfangen, gespeichert. Manch eine App speichert Daten im Hintergrund, von denen man nichts ahnt. 
Aber am meisten zum Verhängnis werden mit die Bilder und Videos. Genervt nehme ich etwas von meiner wenigen freien Zeit, um Momentaufnahmen zu löschen und anderes, was länger bleiben soll, auf die externe SD-Karte zu verschieben. Wenn meine Zeit knapp und meine Geduld noch knapper ist, verschiebe ich manchmal auch einfach alle Daten auf die externe Speicherplatte. Und ärgere mich hinterher. Weil dann die teilweisen doppeltgespeicherten Bilder jetzt doppelt und dreifach extern gespeichert sind. Und auch das verwackelte Bild von meinem Mittagessen, das ich einer Freundin geschickt habe, ist dann im ewigen Externspeicher versunken. Denn wann soll ich mir bitte
noch die Zeit nehmen, den externen Speicher aufzuräumen? Manch einer kennt solche Probleme. Die anderen schütteln an dieser Stelle unverständig den Kopf (so wie mein Mann).

Aber ich wäre nicht ich und dieser Text würde nicht auf diesem Blog landen, wenn ich dabei nicht wieder eine Erkenntnis fürs Leben gefunden hätte. Denn ständig ist der „Systemspeicher“ meines Lebens voll. Ich sammele tagtäglich tausende von Eindrücken. Gesprächsfetzen, Textnachrichten, Nachrichten, sinnlose Videos, seelsorgerliche Probleme, philosophische und theologische Fragen, Gesichtsausdrücke, Zwischenkommentare, Wolkenformationen, Renovierungsüberlegungen, Einkaufslisten, Babylachen und Babyweinen, Melodien, Rezepte, Termine, Aufräumstrategien, Verletzungen, Geschenkideen.
All das und noch viel mehr höre, sehe, denke, lese, berede und fühle ich. Das ist viel. Und landet alles unsortiert in meinem „Systemspeicher“, was wohl eine Mischform aus Kopf und Herz ist. Und in letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass mein Systemspeicher mit die Meldung gibt, dass er voll ist. Kein Speicherplatz mehr.
Alles was jetzt passiert, rennt an mir vorbei. Schön, könnte man denken, dann ist endlich weniger Input! Falsch gedacht, ich renne den „verlorenen“ Aufnahmen hinterher und merke, dass ich sie doch nicht speichern kann, nicht halten kann. Und dann beschwert sich mein Herz tränenreich, dass man das Leben doch nicht so an einem Vorbeirauschen lassen kann und mein Kopf schimpft, dass halt einfach kein Platz mehr ist und man jetzt gefälligst irgendeine Maßnahme treffen muss.

Die Maßnahme sieht an manchen Tagen so aus, dass ich alles von mir schiebe, quasi in den Externen Speicher. Und dann ärgere ich mich am nächsten Morgen, weil vieles, was ich wahrnehme und fühle nicht unbedingt gespeichert werden muss. Nicht langfristig zumindest. Und es ist unglaublich an welchen Kleinkram ich mich manchmal erinnere. Dank vollgefüllten und unaufgeräumten externem Speicher. Aber somit habe ich wenigstens am nächsten Tag genug Kapazität für alle neuen alltäglichen Eindrücke. Aber eigentlich geht es mir besser, wenn ich mir die Zeit nehme, vorher durchzusortieren:
Geschenkidee – wichtig, behalten. Wolkenformation – schön, behalten. Blöder Zwischenkommentar – weg damit. Termin – aufschreiben, dann löschen. Und so weiter.

Manch einer kennt dieses Problem. Andere wiederum schütteln unverständig den Kopf (so wie mein Mann). Viel wahrnehmen ist toll und hat mir schon viele gute Ideen, Gespräche, Texte und Lösungen gebracht. Aber nicht alles, was man wahrnimmt, muss man speichern.
Ich nutze meine wenige freie Zeit inzwischen bewusst. Manchmal zum Aussortieren, manchmal auch einfach nur indem ich wenige Eindrücke sammle. Dann kommt mein
Systemspeicher langfristig besser klar. Oder um solche Texte hier zu schreiben. Seit so langer Zeit eines meiner besten Sortierventile. Danke, dass du es liest!


Auf baldig. 

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